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Herr Kah war der Meinung, dass der Mensch eine Meinung haben solle. Er verwahrte sich allerdings gegen die Verwechslung von Meinung und Standpunkt. Standpunkte könne man vertreten, ruhig auch 50 oder 1000, ruhig auch, sei es noch so lästig für die Mitwelt, in Dingen, in denen man keinen Schimmer habe. Meinungen aber müsse man sein. Herr Kah war der Meinung, dass jeder Mensch vielleicht ein oder zwei oder ganz selten auch drei Meinungen haben könne. Nach diesen Meinungen müsse der Mensch suchen – ohne vorgefasste Meinung. Habe er sie aber gefunden, müsse er sie nicht mehr vertreten, da er sie ja sei. Und das Sein strahle wärmer als die Worte und wirke wirkungsvoll ohne Wirken. „Oder“, sagte Herr Kah einem Zweifelnden, „gibt die Sonne eine Pressekonferenz, um ihre Meinung darzulegen?“

(Berlin, 9. November 2011)

Als Herr Kah einmal an einer Gesprächsrunde im Fernsehen teilnahm, unterbrach er den Moderator und fragte: „Haben Sie eigentlich verstanden, wovon ich spreche?“

Der Moderator sagte: „Ihre Muttersprache ist auch meine Muttersprache. Ich verstehe die Worte, die Sie benutzen, und die Sätze, die Sie formulieren.“

Herr Kah sagte: „Sie verstehen die Bedeutung. Und doch ist meine ganze Rede nur ein Symbol.“

„Symbol wofür?“, fragte der Moderator.

„Eben das kann man nicht sagen“, antwortete Herr Kah.

Danach widmete sich der Moderator seinen anderen Gästen und stellte Herrn Kah keine weiteren Fragen.

(Halle/Westfalen, 17. Juli 2011)