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An einem kalten Februarmorgen begegnete Herr Kah in einem Moabiter Supermarkt dem Papst, der dabei war, Kosmetikartikel zu sichten. Sogleich hob der Papst an, Herrn Kah das Christentum zu verkündigen.

„Das Christentum ist im Kern nicht politisch“, sagte der Papst.

„Gut“, sagte Herr Kah.

„Es ist im Kern keine Philosophie oder Wissenschaft.“

„Gut“, sagte Herr Kah.

„Es ist im Kern auch keine Ethik.“

„Einverstanden“, sagte Herr Kah.

„Es ist aber im Kern auch keine Mystik oder Meditationstechnik.“

„Gott sei Dank“, sagte Herr Kah.

„Ebenso wenig ist es im Kern Poesie oder Therapie“, sagte der Papst und schwieg.

„Wenn Sie nun“, sagte Herr Kah, „aus dem Kern des Christentums noch Gott, Christus, den Heiligen Geist und die Jungfrau Maria entfernten, begönne die Sache langsam interessant zu werden.“

Der Papst bekreuzigte sich, ließ Wimperntusche und Eyeliner in den Einkaufswagen gleiten und ging zur Kasse.

(Berlin, 7. Februar 2012)

Herr Kah traf einen Wissenschaftler, der den Menschen einzig aus seinem äußerlich beobachtbaren Verhalten verstehen zu können glaubte.

„Aber der Mensch ist auch Innerlichkeit“, sagte Herr Kah.

Einige Monate darauf besuchte der Wissenschaftler Herrn Kah und sagte: „Ich habe Ihre Kritik aufgenommen und zur Beobachtung der Innerlichkeit des Menschen ein Gerät entwickelt, mit dem man ihm ins Gehirn schauen kann.“

„Wenn ich ehrlich sein darf“, sagte Herr Kah, „Ihr Begriff von Innerlichkeit scheint mir sehr äußerlich.“

(Berlin, 7. Oktober 2011)

„Woran liegt es, dass Wissenschaftler und Politiker sich oft spinnefeind sind?“, wurde Herr Kah gefragt.

Herr Kah sagte: „Das liegt daran, dass sie sich sehr ähnlich sind.“

„Worin sind sie sich ähnlich?“

„Darin, dass sie sich überschätzen“, sagte Herr Kah.

(Berlin, 29. August 2011)