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Ein junger Mann kam jede Woche einmal zu Herrn Kah und klagte ihm sein Leid. Dies gehe nicht, und das gehe nicht, und jenes gehe schon gar nicht.

Nach einigen Wochen sagte Herr Kah: „Vielleicht sollten Sie bei Ihrer Mutter ausziehen.“

Der junge Mann sagte: „Und wer wäscht meine Wäsche, wer kocht für mich?“

Eine Woche später sagte Herr Kah: „Vielleicht sollten Sie bei Ihrer Mutter ausziehen.“

Der junge Mann sagte: „Das wäre finanziell irrational. Dann müsste ich Miete zahlen. So wohne ich umsonst.“

Wieder eine Woche später sagte Herr Kah: „Vielleicht sollten Sie bei Ihrer Mutter ausziehen.“

Der junge Mann sagte: „Und wer kümmert sich um meine Mutter? Sie würde vereinsamen. Das wäre unmenschlich.“

Dann ließ sich der junge Mann eine Woche nicht blicken.

In der Woche darauf aber kam er wieder zu Herrn Kah und sagte: „Ich bin bei meiner Mutter ausgezogen.“

Herr Kah fragte verwundert: „Und wie sind Sie zu dem Entschluss gelangt?“

„Nun“, sagte der junge Mann, „ich habe jetzt eine Freundin, und die hat mir den Tipp gegeben, bei meiner Mutter auszuziehen.“

„Das“, murmelte Herr Kah, während er später im milden Abendwind entlang der Spree spazieren ging, „ist die Macht des Weibes.“

(Berlin, 30. September 2011)

In einem Seminar zur Liebe, das er einzig im Modus der Ironie zu geben imstande war, erzählte Herr Kah folgende Anekdote:

Ein junger Mann kam zu mir und beklagte sich, dass es ihm unmöglich sei, sich zu verlieben, da er sich nur in eine Frau verlieben könne, die grün gefärbte Haare, eine kleine Narbe über der Oberlippe und ein Tintenfass aus der Goethezeit habe. Eine solche Frau aber existiere nicht.

„Vielleicht doch“, sagte ich.

Einige Monate später suchte mich der junge Mann wieder auf und erzählte: „Ich habe eine Frau getroffen, die grün gefärbte Haare, eine kleine Narbe über der Oberlippe und ein Tintenfass aus der Goethezeit hat.“

„Und“, fragte ich, „haben Sie sich in sie verliebt?“

„Nein“, sagte der junge Mann, „denn ich weiß: Wenn ich mich in diese Frau verliebte, würde ich mich nicht eigentlich in sie verlieben, sondern bloß in die Tatsache, dass sie grün gefärbte Haare, eine kleine Narbe über der Oberlippe und ein Tintenfass aus der Goethezeit hat.“

(Berlin, 31. August 2010)

Ein Student verstand den Unterschied zwischen Theorie und Praxis nicht.

Herr Kah erzählte ihm folgende Begebenheit:

Ein Mann und eine Frau gingen nebeneinander auf dem Bürgersteig. Die Frau sagte: „Dann kann ich also für morgen Abend mit Dir planen?“ – Der Mann sagte: „Rein theoretisch schon.“

„Das“, sagte Herr Kah, „ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.“

(Berlin, 27. August 2011)