In einem mitteltrendigen Café am Alexanderplatz sprachen Herrn Kah einmal zwei junge Frauen an, die zufällig an seinem Nebentisch saßen.
Nach ein paar uninspiriert hin und her geschobenen Sätzen fragte die Brünette ohne Locken: „Alle wissen um Ihre Berühmtheit, Herr Kah. Aber was genau ist überhaupt Ihr Beruf?“
Herr Kah antwortete: „Ich habe keinen Beruf, ich habe eine Berufung. Und welche das ist, sollte doch eigentlich offenkundig sein.“
Die beiden Brünetten schwiegen.
Nach einigen Augenblicken fragte Herr Kah die Brünette mit Locken: „Was machen Sie denn beruflich?“
Die Brünette mit Locken sagte: „Ich? Ich arbeite als Prostituierte.“ Und sie blickte schamvoll.
Die Brünette ohne Locken brauchte Herr Kah gar nicht zu fragen. Wie aus dem Lebenslauf gelernt sagte sie: „Und ich, ich arbeite als Projektmanagerin in der PR-Abteilung eines multinationalen Konzerns.“ Und sie blickte stolz.
„Ja, meine Damen“, sagte Herr Kah und verabschiedete sich von der Prostituierten genauso höflich wie von der Projektmanagerin. Und er merkte wohl, dass seine gleich verteilte Höflichkeit beide Frauen sehr irritierte.
(Berlin, 24. August 2011)