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Ein Journalist fragte Herrn Kah: „Wie würden Sie den Zustand unserer Demokratie charakterisieren?“

Herr Kah sagte: „50 Prozent der Menschen sind zu dumm, um zu verstehen, was gespielt wird. 40 Prozent könnten es zwar verstehen, wollen aber nicht, weil sie meinen, dass sie so ihr Leben besser genießen können. 10 Prozent immerhin verstehen, was gespielt wird. Davon ist ein Drittel zu ängstlich, um die Spielregeln zu ändern. Ein anderes Drittel macht sie sich zynisch zunutze. Nur das letzte Drittel will die Spielregeln wirklich ändern. Es wird isoliert, psychiatrisiert, kriminalisiert oder vernichtet, und zwar von allen anderen unter der Führung derer, die sich die Spielregeln zynisch zunutze machen. Unsere heutige Demokratie ist also die bestmögliche Gesellschaftsform.“

„Das meinen Sie jetzt aber ironisch?“, sagte der Journalist.

„Ach“, sagte Herr Kah, „lassen Sie uns einen Kaffee trinken gehen. Sie dürfen es in Ihrer Zeitung ja doch nicht veröffentlichen.“

(Berlin, 27. Juni 2011)

Über den Konservatismus sagte Herr Kah einmal: „Erinnern Sie sich an das 19. Jahrhundert? Damals wollten die Konservativen zunächst den König und Preußen, später den Kaiser und das Reich. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begannen sie die Demokratie und neben Deutschland noch Europa zu wollen, und zwar in einer Weise, die im 19. Jahrhundert für linksradikal gegolten hätte. Die Konservativen waren auch lange nicht gut auf Homosexuelle, Scheidung und Frauen in der Politik zu sprechen. Heute koaliert die geschiedene Konservative Merkel mit dem homosexuellen Herrn Westerwelle. Kurz, die Konservativen regieren oft, aber sie verlieren fast immer.“

(Berlin, 16. August 2011)