In einem Seminar zur Liebe, das er einzig im Modus der Ironie zu geben imstande war, erzählte Herr Kah folgende Anekdote:
Ein junger Mann kam zu mir und beklagte sich, dass es ihm unmöglich sei, sich zu verlieben, da er sich nur in eine Frau verlieben könne, die grün gefärbte Haare, eine kleine Narbe über der Oberlippe und ein Tintenfass aus der Goethezeit habe. Eine solche Frau aber existiere nicht.
„Vielleicht doch“, sagte ich.
Einige Monate später suchte mich der junge Mann wieder auf und erzählte: „Ich habe eine Frau getroffen, die grün gefärbte Haare, eine kleine Narbe über der Oberlippe und ein Tintenfass aus der Goethezeit hat.“
„Und“, fragte ich, „haben Sie sich in sie verliebt?“
„Nein“, sagte der junge Mann, „denn ich weiß: Wenn ich mich in diese Frau verliebte, würde ich mich nicht eigentlich in sie verlieben, sondern bloß in die Tatsache, dass sie grün gefärbte Haare, eine kleine Narbe über der Oberlippe und ein Tintenfass aus der Goethezeit hat.“
(Berlin, 31. August 2010)
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Alles ist möglich – solange man nur dran denkt!
Liebe Grüße
Helmut