Posts by Matthias Pleye

Eines frühen Morgens – er wollte gerade Brötchen holen – begegnete Herr Kah auf dem Trottoir Michel de Montaigne.

„Monsieur de Montaigne, welch eine Ehre! Sie weilen noch unter den Lebenden?“

„Es zwackt zuweilen im Rücken, aber der Kopf funktioniert noch.“

Herr Kah lachte. Und weil er beim Brötchenholen ohnehin oft geistig Zwiesprache mit Michel de Montaigne hielt, sprach er nun einfach zum lebenden: „Lieber Monsieur de Montaigne, was ich mich kürzlich gefragt habe: Warum gehen Ruhm und Ruhe bei Ihnen nicht zusammen? Ich selbst zum Beispiel: Ich bin berühmt und doch zugleich seelenruhig.“

„Was habe ich da genau geschrieben? Sie müssen mir helfen. Sobald ich sie gedacht und niedergeschrieben habe, belaste ich mich nicht mehr mit meinen Gedanken“, sagte Montaigne.

„Sehr weise”, sagte Herr Kah. „Sie argumentierten damals, die Ruhe unserer Seele hänge davon ab, dass wir uns von der Meinung anderer befreiten“, sagte Herr Kah.

„Der Meinung anderer über uns?“

„Ja, und Sie meinten, wenn wir Ruhm erstrebten, müssten wir uns immerzu darum kümmern, dass andere eine gute Meinung von uns hätten. Wir seien also abhängig von ihr. Und daher könnten Ruhm und Ruhe nicht zusammengehen.“

„Klingt doch logisch“, sagte Montaigne.

„Nun nehmen Sie aber zum Beispiel mich und jene große Tat, die ich leider…“

„Ich habe davon gehört“, sagte Montaigne.

„Selbstverständlich“, sagte Herr Kah. „Ich konnte jene große Tat, die mir leider all den Ruhm einbrachte, nur vollbringen, weil ich schon seelenruhig und unabhängig von der Meinung anderer war. Die Ruhe führte bei mir zum Ruhm. Und der Ruhm steigerte sich je mehr, je länger ich trotz ihm seelenruhig blieb.“

„Mir scheint, Sie haben den Ruhm nicht erstrebt. Er kam zufällig über Sie“, sagte Montaigne.

„Das glaube ich nicht“, sagte Herr Kah. „Viele Menschen verwechseln es wohl mit Ruhm, wenn sie oft gesehen, gelobt und gut bezahlt werden. Viele jener sogenannten Berühmten stehen schlicht zu häufig vor der Kamera. Wer dauerhaft in strengem Sinne berühmt sein will, braucht Seelenruhe und die Fähigkeit, sich rar zu machen. Denn je rarer er sich macht, desto mehr wird er beachtet werden. Und je unabhängiger er von der Meinung anderer ist, desto mehr wird seine Meinung in ihren Augen an Statur gewinnen. Beides wird seinen Ruhm steigern.“

„Wissen Sie, Herr Kah“, sagte Montaigne, „ich lebe seit bald 500 Jahren, davon die letzten 25 in Berlin. Mir ist Ruhm egal. Aber frische Brötchen, die bedeuten mir etwas.“

(Berlin, 10. Januar 2012)

Bei freudigstem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen stand Herr Kah auf dem Alexanderplatz und verschenkte 500-Euro-Scheine.

Einige Passanten nahmen das Geld und bedankten sich herzlich. Die meisten aber nahmen es und blickten Herrn Kah verächtlich an. Vereinzelt wurde er sogar bespuckt. Ein Drittel der Passanten wollte Herrn Kahs Geldgeschenk gar nicht annehmen, brüllte ihn stattdessen an oder machte ihm Vorwürfe.

„Sie arroganter Schnösel“, schrie einer.

„Ich verschenke doch nur, was ich nicht brauche“, sagte Herr Kah.

„Sie glauben wohl, Sie sind die EZB“, sagte ein anderer und zeigte ihm den Vogel.

„Da sitzen Sie einem Missverständnis auf“, sagte Herr Kah. „Die EZB gibt Geld in Form von Krediten. Ich gebe Geld in Form von Geschenken. Überhaupt sollte Ihnen eines bewusst sein: Das gesamte Geld, das in unserem Wirtschaftssystem zirkuliert, haben ursprünglich die Banken oder die Zentralbank in Form von Krediten geschaffen. Was nichts anderes bedeutet, als dass dem Geld notwendig Schulden gegenüberstehen. Sonst hätte Geld keinen ‚Forderungscharakter’. Je mehr Geld, desto mehr Schulden. Die Frage ist lediglich, bei wem die Schulden verbucht werden und bei wem die Vermögen. Herzlich willkommen im Hamsterrad!“

Dass sie im Hamsterrad lebten, wollten die Menschen natürlich nicht hören, geschweige denn verstehen. Und so zerstreuten sie sich langsam und würden wohl weiter brav die Zinsen des Systems ‚erwirtschaften’.

Eine, die etwas mitgedacht hatte, blieb bei Herrn Kah und sagte: „Führte das nicht zu horrender Inflation, wenn die EZB – wie Sie – Geld ohne Umweg über die Banken einfach verschenkte?“

„Man muss es mit den Geschenken ja nicht übertreiben“, sagte Herr Kah. „Außerdem würde ich das Geldsystem nicht komplett nach dem Geschenkprinzip funktionieren lassen. Auch das Kreditprinzip hat wirtschaftlich seine Berechtigung. Eine großzügig verstandene materielle Existenzgrundlage aber sollte jeder Einzelne geschenkt bekommen. Das gebieten Würde und Freiheit des Individuums.“

„Hm, Sie plädieren für eine Form des bedingungslosen Grundeinkommens?“

„Sie haben’s erfasst. Aber die Köpfe der meisten Menschen sind leider noch voll der Denkstrukturen ihrer eigenen Geldversklavtheit.“

Auf dem Rückweg zu seiner Wohnung ließ Herr Kah Revue passieren, wie die Mehrheit der Passanten auf seine Geldgeschenke reagiert hatte. Tja, dachte er, so aggressiv werden die Menschen, wenn man ihnen Gutes tut.

(Berlin, 7. Januar 2012)

Herr Kah genoss den letzten Schluck seines Espressos noch mehr als die vorherigen, da klingelte es an der Tür seiner kleinen Wohnung.

Draußen stand Christian Wulff in regennassem Mantel und blickte sich gehetzt um, ob ihm nicht Journalisten auf den Fersen waren.

„Nun kommen Sie erst einmal herein, Herr Wulff. Ich bin doch kein Verfassungsfeind.“

Wenig später saßen sich Christian Wulff und Herr Kah im Wohnzimmer gegenüber. „Sie haben hier ja fast nur Bücher“, sagte Wulff bewundernd.

„Ich brauche keine Deutschlandfahne in meiner Wohnung“, sagte Herr Kah.

„Immerhin müssen Sie mir zugutehalten, dass ich nicht auf Ihren Anrufbeantworter gesprochen habe“, versuchte Wulff zu scherzen.

„Ich brauche auch keinen Anrufbeantworter in meiner Wohnung. Man würde ihn mir nur vollquatschen, und ich müsste zurückrufen. Aber was wollen Sie nun von mir?“, fragte Herr Kah.

„Sie kennen meine prekäre Lage?“, fragte Wulff.

„Selbstverständlich.“

„Was raten Sie mir zu tun?“

Herr Kah dachte lange nach und sagte: „Drei Dinge sollten Sie der Öffentlichkeit unbedingt transparent machen, wenn Sie Bundespräsident bleiben wollen: Haben Sie Schweißfüße? Mögen Sie Fesselspiele? Wie groß ist Ihr Glied in erigiertem Zustand?“

Christian Wulff sprang auf: „Das ist doch…“

„Was ich damit sagen will“, beruhigte ihn Herr Kah, „ich kann Sie nicht beraten.“ Wulff plumpste zurück in den Sessel. Herr Kah sagte: „Ihre Lage ist jenseits von Taktiererei und Beratung. Entweder oder: Wenn Sie Dreck am Stecken haben, kriegt man Sie ohnehin. Fürs Kaschieren ist es zu spät. Wenn Sie keinen Dreck am Stecken haben, liegt Ihre einzige Chance darin, sich von Ihrer Salamitaktik zu verabschieden. Ich frage mich für diesen Fall nur, warum Sie die Salamitaktik überhaupt angewendet haben. Aber gut: Jeder Jeck ist anders.“

Christian Wulff erhob sich so wortlos wie schwerfällig aus dem Sessel, streifte seinen immer noch nassen Mantel über und verabschiedete sich freundlich.

„Ach, Herr Wulff“, sagte Herr Kah, als der Bundespräsident bereits im Treppenhaus war, „wissen Sie, was mich besonders ärgert? Sie haben es geschafft, dass die Bild-Zeitung sich als Verteidigerin der Pressefreiheit aufführen kann.“

Christian Wulff lächelte sauer, und Herr Kah bereute, dass er den letzten Schluck seines Espressos nicht länger hatte genießen können.

(Berlin, 6. Januar 2012)

„Herr Nerz! Mein Gott, Sie sehen ja wirklich wie ein junger CDU-Politiker aus.“ Sebastian Nerz, Bundesvorsitzender der Piratenpartei, dreht sich angewidert weg. „Und Sie trauen sich in Berlin-Friedrichshain noch auf die Straße?“

Jetzt erkennt Nerz ihn doch: „Ach, Herr Kah, Sie sind es. Ja, warum sollte ich mich denn hier nicht mehr auf die Straße trauen?“

„Wegen all der Piraten um Sie herum“, sagt Herr Kah.

„Wie bitte? Ich bin doch der Oberpirat“, sagt Sebastian Nerz.

„Aber Sie haben der Passauer Neuen Presse ein Interview gegeben, das satirischen Maßstäben genügt. Dabei ist die Passauer Neue Presse gar keine Satire-Zeitung.“

„Piraten mögen Satire.“

„Ja, aber nicht, wenn nur die anderen drüber lachen. Was ist denn in Sie gefahren?“

„Was meinen Sie?“, fragt Sebastian Nerz.

„Im Wesentlichen haben mich zwei Punkte den Kopf schütteln lassen: Sie sagen, die Piratenpartei könne im Großen und Ganzen gut mit den kleinen Parteien, wenn man einmal von der Linkspartei absehe. Und Sie sagen, in der Sozialpolitik könnten Sie sich mit vielem anfreunden, wofür die SPD stehe.“

„Ja, und? Was ist daran verwerflich?“

„Verwerflich nichts, verwunderlich vieles. Wissen Sie, ich gehöre zu den altmodischen Leuten, die noch Grundsatzprogramme lesen und vergleichen.“

„Es tut mir leid, Herr Kah, aber ich habe gleich…“

„Einen Augenblick noch. Ich frage mich also, wieso Sie die Linkspartei ausschließen. Vergleicht man die Programme, haben die Piraten mit der Linkspartei – bei allen Unterschieden – die größten Schnittmengen.“

„Die Linkspartei schließt doch jeder aus“, sagt Sebastian Nerz.

„Deswegen tun Sie das auch? Sehr piratig“, sagt Herr Kah. „Völlig unverständlich ist mir aber Ihre Einschätzung der SPD. Ganz abgesehen davon, dass die SPD für die Vorratsdatenspeicherung eintritt, steht doch keiner mehr für Hartz IV als die Sozialdemokraten, während die Piratenpartei, wenn ich recht verstanden habe, ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen möchte.“

„Ich muss jetzt wirklich zu meinem Termin.“

„Eins noch, Herr Nerz: Es ist wirklich überflüssig, dass man Sie dauernd auf Ihr CDU-Aussehen anspricht. Aussehen ist keine piratige Kategorie. Inhalte allerdings schon.“

(Berlin, 5. Januar 2012)

Vor einer Versammlung lebensmüder Hartz-IV-Empfänger erzählte Herr Kah die Legende vom glücklichen Schuldner zu Dreistewitz:

Sehr verehrte Damen und Herren, Sie müssen sich Karl-Theodor zu Dreistewitz als einen normalen Menschen vorstellen. Kaum 15 Jahre alt, lieh er sich von einem Freund, der reiche Eltern hatte, 500 Euro, um mit deren Hilfe ein Mädchen zu beeindrucken, in dessen Kurven er sich verguckt hatte.

Als das Geld weg war, konnte er es nicht zurückzahlen, und der Freund prügelte zu Dreistewitz krankenhausreif.

Da nahm zu Dreistewitz bei einer Kleinbank einen Kleinkredit auf. Mit dem frischen Geld zahlte er seinem Freund die 500 Euro zurück und machte ein halbes Jahr Urlaub an der Côte d’Azur, um sich von der Prügel zu erholen.

Als er heimkam, konnte er den Kleinkredit nicht zurückzahlen, und die Kleinbank lud ihn zu einem unfreundlichen Gespräch und zwangsversteigerte seine bescheidenen Besitztümer.

Da las zu Dreistewitz ein Buch über Businessrhetorik, entwickelte einen Businessplan und fand mehr Kapitalgeber für sein Unternehmen, als er brauchen konnte. Aber Geld soll man nicht verschmähen. Und so saß zu Dreistewitz bald auf einem Kapitalpolster von 100 Millionen Euro.

Nun hatte er es sich wohl verdient, die Dinge etwas lockerer angehen zu lassen. Zu Dreistewitz kümmerte sich kaum noch um sein Unternehmen. Er spielte lieber Golf, besuchte glamouröse Partys und knüpfte erste Kontakte in die Politik.

Als Dreistewitz’ Unternehmen kurz vor der Insolvenz stand, luden ihn seine Kapitalgeber zu einem freundlichen Gespräch, gaben ihm Geld für seine Privatschatulle, damit er die Mittel habe, nach seiner harten Arbeit zu entspannen, und fädelten einen Termin mit einer Großbank für ihn ein.

Der Chef der Großbank, der Dreistewitz’ Kapitalgeber zu seinen besten Kunden zählte und fürchtete, dass sie ihre Kredite nicht mehr bedienen könnten, falls Dreistewitz die Seinen nicht mehr bedienen könnte, nahm sich extra einen Abend frei, führte zu Dreistewitz in ein Edelrestaurant und in ein Luxusbordell und bot ihm einen zu 1,5 Prozent verzinsten 500-Millionen-Kredit.

Zu Dreistewitz wand sich und zierte sich. Nach zähen Verhandlungen bekam er einen Zwei-Milliarden-Kredit zu 0,5 Prozent und eine Jahreskarte für das Luxusbordell.

Die folgenden Monate verbrachte zu Dreistewitz hauptsächlich in jenem Bordell und auf Partys Superreicher, auf denen er auch den Bundesfinanzminister kennenlernte. Die wirtschaftliche Lage der Dreistewitzschen Unternehmung verschlechterte sich von Tag zu Tag.

Als zu Dreistewitz seinen Großbankkredit nicht mehr bedienen konnte, schrillten im Land sämtliche Alarmglocken. Die Großbank galt als systemrelevant, und ihre Finanzlage war so angespannt, dass sie den Ausfall eines Zwei-Milliarden-Kredits wohl kaum überlebt hätte.

Da Bankenrettungen sehr unpopulär geworden waren, entschied der Finanzminister, Dreistewitz’ Unternehmen mit Geld aus dem Sonderfonds Arbeitsplatzrettung auszustatten und so die Bedienung des Zwei-Milliarden-Kredits zu gewährleisten.

Karl-Theodor zu Dreistewitz blieb seinem Lebenswandel treu und nahm wenig später aus den Händen der Kanzlerin stolz den ‚Deutschlandpreis für innovatives Unternehmertum’ entgegen.

Nachdem Herr Kah geschlossen hatte, ging ein resigniertes Seufzen durch die Reihen der lebensmüden Hartz-IV-Empfänger. „Es war ja nur eine Legende“, sagte Herr Kah. „In Wirklichkeit ist alles natürlich noch viel schlimmer.“

(Erstveröffentlichung: 4. Januar 2012)

In Berlin, das ja eine Stadt der Paradiesvögel ist, lebten auch ein Theist, ein Atheist und ein Agnostiker.

Und da diese Menschen die Dinge bekanntlich gerne vom Kopf her entscheiden, kamen sie eines Tages gemeinsam zu Herrn Kah, der im Rufe stand, der größte lebende Denker der Stadt zu sein, noch knapp vor Klaus Wowereit.

Der Theist sagte siegessicher: „Gott existiert.“

Herr Kah sagte: „Nein, Gott existiert nicht.“

Da freute sich der Atheist und sagte: „Genau, Gott existiert nicht.“

Herr Kah sagte: „Nein, Gott existiert.“

Nun freute sich der Agnostiker und sagte: „Ich glaube, Herr Kah möchte ausdrücken, dass man nicht erkennen kann, ob Gott existiert oder nicht.“

Herr Kah sagte: „Nein, man kann erkennen, ob Gott existiert oder nicht.“

Darauf steckten der Theist, der Atheist und der Agnostiker ihre Köpfe zusammen und gelangten zu dem Schluss, dass Herr Kah sich in Widersprüche verheddere.

„Nein“, entgegnete Herr Kah, „ich habe jedem von Euch dasselbe gesagt, nur mit verschiedenen Worten.“

Zum Abschluss empfahl Herr Kah den dreien, ihre jeweiligen Gedanken im Rahmen einer Promotion zu vertiefen und die Ergebnisse Klaus Wowereit vorzulegen. Der soll sie aber später nicht zur Kenntnis genommen haben.

(Erstveröffentlichung: 31. Dezember 2011)

Herr Kah schaute über die Karl-Liebknecht-Straße. Es roch nach Lebkuchen, Glühwein und Abgas. Das Rote Rathaus senkte einen freundlichen Blick auf den Weihnachtsmarkt und lächelte über das Geschiebe, Gedränge und Getriebe.

Ob sich dort auch der Mann befand, der vorgab, auf die Geburt seiner Tochter trinken zu wollen, doch die Menschen, die er mitzutrinken überredete, mit dem gepanschten Schnaps, den er ihnen reichte, vergiftete?

Herr Kah konnte dem Gedanken nicht weiter nachhängen, denn eine Frau im DDR-Nostalgielook tippte ihm auf die Schulter und sagte: „Meine Tochter, Herr Kah, sie tut nichts. Sie hat einen Sohn, aber sie liegt den ganzen Tag im Bett, spricht nicht, isst kaum. Meine Tochter tut gar nichts, Herr Kah. Was soll ich machen?“

Als Herr Kah das Zimmer der Tochter betrat, blickte sie ihn entsetzt an. „Keine Sorge“, sagte Herr Kah, „Sie müssen nichts tun. Ruhen Sie sich ruhig aus.“

Wenig später stand die junge Frau auf, schloss ihren Sohn in ihre Arme und ging mit ihm zum Weihnachtsmarkt, wo sie gebrannte Mandeln und Thüringer Rostbratwurst aßen und witzige Fotos vom Roten Rathaus machten.

Die Mutter der Frau indes war sehr erschöpft. „Legen Sie sich doch etwas hin“, sagte Herr Kah und bot bei der Verabschiedung an, die Tüte mit den leeren Cognacflaschen, die in der Garderobe lag, mitzunehmen und zu entsorgen.

Am nächsten Morgen las Herr Kah in der Zeitung, dass der Mann, der auf Berliner Weihnachtsmärkten Menschen mit Schnaps vergiftete, festgenommen worden war.

(Erstveröffentlichung: 21. Dezember 2011)